Über mich

Ich und Autorin? Das konnte keiner vorhersehen!
Oder vielleicht doch?

 

Ich wünsche mir einen Sarg

Es war einmal ein erstes Lieblingsbuch, vorgelesen von meiner Mama. Obwohl sie damit den Zweck verfolgte, mich langsam einzuschläfern, waren meine Augen weit offen und meine Vorstellungskraft lief auf Hochtouren. Wir lasen Der Kleine Vampir, alle sieben Bände, (die es bis dato gab). Schon bald wuchs in mir der Wunsch, in schwarzen Vampirumhängen herumzugeistern und mir aus Couchkissen eine Gruft zu bauen. Eine meiner frühesten Erinnerungen, ich muss ungefähr fünf gewesen sein, spielt sich vor der Haustür meines Onkels ab: Ich habe mich als Vampir verkleidet, komplett mit weißer Schminke, dunklen Augenringen und einem Plastikgebiss. Er öffnet die Tür, und ich springe mit hochgerissenen Armen auf ihn zu. Damals hat es wohl angefangen. Fremde Welten haben mich gepackt.

 

Und rede mit mir selber

Wir wohnten auf einem kleinen Bauernhof mitten in den Bergen. Meine Brüder waren damals schon in der Lehre. Zwar hatte ich Freundinnen aus der Schule, aber unser Haus lag so abgelegen, dass ich oft alleine spielen musste. Diese Alleinzeit hat meine Fantasie beflügelt. Ich streifte durch den Wald und erzählte mir erfundene Geschichten. Mit zehn oder elf schrieb ich die allererste auf. Sie hatte mehrere, handgeschriebene A4-Seiten und trug den Titel Der rote Rubin. Zu der Zeit las ich am liebsten Die fünf Freunde, die mit mir im Meer gebadet, Geheimwege entdeckt und ausgiebig gepicknickt haben.

 

 

 

Andere lasen von Horror. Ich las von Freundschaft

Stephen King’s ES. Mein erstes Erwachsenenbuch. Mit zwölf oder dreizehn gelesen. Für die Schwarte brauchte ich drei Monate, aber ich habe mich durch alle schaurigen und ekelhaften Szenen gearbeitet und war vom Zusammenhalt des Clubs der Verlierer begeistert. Danach verfasste ich auf unserer elektrischen Schreibmaschine einige Horrorgeschichten, die leider nie über ein paar Seiten hinauskamen, weil das Tippen mit zwei Zeigefingern verdammt anstrengend war. (Heute habe ich meine Geschwindigkeit verdoppelt. Ich tippe ich mit vier Fingern.) Eine dieser Geschichten handelte von einem Mann, der nachts von einem Friedhof träumt. Am nächsten Morgen wacht er mit schlammverschmierten Füßen im Bett auf.

 

 

Eine endlose Geschichte

Mit fünfzehn, sechzehn schrieb ich an einer Teenager-Story. Sie spielte am Meer, in einem weißen Holzhaus, dessen Veranda übers Wasser gebaut war. Das Mädchen hatte kurze, schwarze Haare und trug dunkelroten Lippenstift. Ich tippte nun auf meinem PC und sicherte alle meine Daten mit äußerst effektiven Passwörtern. So effektiv, dass ich sie heute leider nicht mehr öffnen kann. (Mal abgesehen davon, dass ich kein Diskettenlaufwerk mehr besitze. Oder die Disketten.) Dieses Werk war nie fürs Veröffentlichen gedacht. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen und mir wäre nicht im Traum eingefallen, dass es mal so etwas wie Schreibcommunitys geben könnte. Außerdem hatte ich ein anderes Berufsziel vor Augen: Ich wollte zeichnen.

 

Ich tauche in eine Flut von Büchern

Obwohl ich am liebsten Mangas illustriert und so meine Geschichten mit Bildern und Worten erzählt hätte, entschied ich mich für einen „richtigen“ Beruf. Ich studierte Grafik-Design an der Werbeakademie Wien und entfaltete dort meine künstlerische Hochblüte. (Heute greife ich nur noch selten zum Stift oder Grafik-Tablet. Die Illustrationen meiner Charaktere sind letzte Überbleibsel davon.) Die Ausbildung war super, meine ersten Jobs leider nicht. Neben der anstrengenden Arbeit in einer erschreckend fantasielosen Branche fehlte mir bald die Energie fürs Zeichnen. Stattdessen versank ich nach Feierabend wieder in meinen Bücherwelten, die ich in meinen Teenagerjahren zugunsten von Mangas vernachlässigt hatte. Damals las ich sehr viele Bücher, jede Woche ein neues, aber eines sticht dennoch heraus. Eines, das ich gar nicht lesen wollte, weil so ein Hype darum veranstaltet wurde und ich die komischen Namen darin nicht ausstehen konnte. Was um alles in der Welt sollte denn auch ein Muggel sein?!

 

Quidditsch? So ein Blödsinn

Harry Potter hat mich schließlich doch gefangen. Und so wie er tausende Kinder zum Lesen brachte, führte er mich mit Anfang zwanzig zurück an den Schreibtisch und ließ mich in die Tasten hauen. Eine fantastische Geschichte aus fünf Bänden plus Fortsetzung mit drei weiteren entstand. Leider nur in meinem Kopf. Auf Papier schaffte es bloß ein dünner Band 1, (obwohl ich die Geschichte von Anina Van Rothfell, die mit ihren Gedanken Feuer manipulieren konnte, bis heute sehr mag). Das Problem war: Ich hatte mir die Handlung bereits so detailliert ausgedacht, dass ich keine Lust hatte, sie aufzuschreiben. In unregelmäßigen Abständen folgten einige Romananfänge. Selbst zwei Vampirromane war darunter, die sich jedoch mehr an den zerzausten Figuren aus Der Kleine Vampir orientierten als an Glitzertraummänner. Ich holte mir trotzdem ein Autogramm von Stephenie Meyer, als sich mir die Gelegenheit bei einer Lesung bot. Damals wuchs der Wunsch in mir, Autorin zu werden. Natürlich nicht in Wirklichkeit. Es war nur eine meiner Fantasien …

 

 

Mögen die Hungerspiele beginnen

Die Tribute von Panem haben mein Leben verändert. Denn hätte ich sie nicht gelesen, hätte ich niemals am Panem-Schreibwettbewerb von Triboox/Oetinger teilgenommen. Es war das erste Mal, dass ich eine Geschichte von wildfremden Leuten im Internet lesen und beurteilen lies. Und, o mein Gott, wimmelte sie vor Kommafehlern! (Alle habe ich bis heute nicht ausgemerzt, wie einige von euch bestimmt feststellen können. Zu meiner Verteidigung will ich sagen, dass kein Mensch so viele Rechtschreibreformen braucht.) Von über 400 Einsendungen schaffte es HEISSHUNGER auf Platz 3. Vielleicht, dachte ich sehr, sehr vorsichtig, war mein Geschreibsel gar nicht so übel?

 

If you want cake – bake! (c) Bernd Schoder

Dreißig. Ich hatte niemals Angst vor diesem Alter. Trotzdem schien es wie eine Barriere am Horizont zu sein, eine Mauer, die ich schon bald erklimmen müsste und die eventuell meine Jugendträume für immer begraben könnte. Also fasste ich einen Entschluss. Ich würde vor meinem dreißigsten Geburtstag einen Roman fertig schreiben. Mit Betonung auf fertig. Mehr nicht, kein Veröffentlichen, kein Verlag. Ich schrieb Farbenblind (später besser bekannt unter Liebe ist was für Idioten. Wie mich.) innerhalb eines Jahres. Natürlich arbeitete ich nach wie vor Vollzeit und es gab oft wochen- oder monatelange Schreibpausen. Aber ich hielt durch. Mein Trick dabei: Außer dem groben Ende hatte ich keine Ahnung, wohin mich die Geschichte führen würde. Sie blieb spannend für mich. Und schließlich war sie tatsächlich vollendet.

 

In meiner Brust brannte Feuer

Ich wusste, wie unwahrscheinlich es war, von einem bekannten Verlag genommen zu werden. Mehrere Internetforen hatten mich zweifelsfrei darüber aufgeklärt. Doch ich wollte es nicht unversucht lassen, kaufte mir zwei Bücher über das Bearbeiten von Texten (las sie auch fast zu Ende) und schrieb große Teile der Geschichte neu. Dabei blieb der Handlungsverlauf gleich, nur die Sprache verbesserte sich. Ein weiteres Jahr verging und ich saß plötzlich vor einem fertigen und überarbeiteten Roman. Nun wurde es gruselig. Sollte ich es wagen und eine Literaturagentur anschreiben? Sollte ich mir meinen Traum von zahlreichen, unfreundlichen Absagen jetzt und möglicherweise für immer zerstören lassen? „Wenn du es nicht abschickst, liegen deine Chancen bei Null Prozent“, so mein Mann. Fünf Agenturen bekamen mein Exposé plus Leseprobe. Vier davon wollten das gesamte Manuskript. Drei boten mir einen Vertrag an. Und eine wurde es schließlich. Meine Agentur. Meine Agentin.

 

 

Schreiben ist was für Idioten. Wie mich.

Danach ging alles furchtbar schnell, obwohl ich zwei Wochen Fingernägel kauend verbrachte. Meine Agentin hatte das Manuskript an die Buchverlage geschickt. Warten. Warten. Warten. Und plötzlich war es so weit: Es gab Verlage, die meine Geschichte kaufen wollten! Die sie tatsächlich veröffentlichen würden! Ich unterzeichnete bei S. Fischer, arbeitete mich an den kommenden Wochenenden durchs Lektorat und hielt fast genau ein Jahr, nachdem ich mein Manuskript an die Agenturen versendet hatte, mein eigenes Buch in der Hand. Inzwischen war ich schon dreiunddreißig. Und mein Jugendtraum hatte sich dennoch erfüllt.

Liebe ist was für Idioten. Wie mich. wurde erfolgreich genug, um mich als Schriftstellerin selbständig zu machen. Auf die ersten Millionen (oder so) warte ich noch (erstmal müssen die wöchentlichen Rechnungen beglichen werden), aber trotzdem bin ich reich geworden. Ich kann es mir leisten, dem Beruf nachzugehen, der seit frühester Kindheit in meinen Knochen steckt: Geschichten erzählen.

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