Fragen

“LIEBE IST SO SCHEISSKOMPLIZIERT”

SPEED-DATING! DU HAST 30 SEKUNDEN ZEIT DICH VORZUSTELLEN!

Ah! Stress! Ich habe zwei Augen, zwei Hände, einen Kopf und auch der Rest ist da, der mich menschlich aussehen lässt. Ansonsten könnte es sein, dass ich gerne merkwürdige Antworten auf spontane Fragen gebe. 28, 29 … geschafft!

LIEBE IST SO SCHEISSKOMPLIZIERT, WEIL …?

Weil es für die Liebe keine Gebrauchsanweisung gibt, die wir auswendig lernen können. Für viele ist es schon schwierig genug, sich bei den eigenen Gefühlen zurechtzufinden. Wenn die dann noch auf das Emotions-Chaos eines anderen treffen, wird es eben … scheißkompliziert.

WANN WAR ES ZULETZT WIEDER RICHTIG SCHEISSKOMPLIZIERT IN DEINEM LEBEN?

O Gott, hört das jemals auf?! Es ist andauernd scheißkompliziert, besonders wenn man alles hundertmal hinterfragt, so wie ich. Zum Glück werden meine Lösungsstrategien mit den Jahren besser. Mal abgesehen davon, dass diese kleinen Krisen im Leben die besten Fundgruben für gute Geschichten sind.

WANN HAST DU ANGEFANGEN ZU SCHREIBEN?

Mit zehn habe ich sieben A4-Seiten über einen mächtigen roten Rubin geschrieben. Was in dem Alter eine ganze Menge war. Mit dreizehn tippte ich eine von Stephen King inspirierte Horrorgeschichte, kam allerdings nicht über ein paar Seiten hinaus, weil meine Finger andauernd zwischen den Tasten der Schreibmaschine stecken blieben. Mit fünfzehn verfasste ich meine erste richtige Liebesgeschichte, schützte sie aber leider mit einem Passwort, an das ich mich heute nicht mehr erinnern kann.

UND WANN WAR FÜR DICH KLAR, DASS ES LIEBESGESCHICHTEN SEIN MÜSSEN?

Ich lese nur Liebesgeschichten, wobei es nicht zwangsläufig romantische sein müssen. So faszinierte mich beispielsweise an Stephen Kings »Shining« oder »Friedhof der Kuscheltiere« die unglaublich starke Bindung, die zwischen Vater und Sohn entsteht. Oder die ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem zwölfjährigen Oskar und dem androgynen Vampirkind Eli bei John Ajvide Lindqvists »So finster die Nacht«. Die Liebe oder ihr Ausbleiben sind für mich der stärkste Kleber zwischen den Charakteren. Ohne sie verlieren die Geschichten für mich ihren Reiz.

WELCHE EIGENSCHAFTEN MUSS EINE AUTORIN VON LIEBESROMANEN MITBRINGEN?

Man muss an die Liebe glauben, ob man sie nun selbst gefunden hat oder nicht. Und für meinen Geschmack sollte man trotz der rosarotesten Brille den Blick für die Realität nicht verlieren, um glaubhaft zu bleiben. Die schönsten Errungenschaften sind sowieso die, die wir uns erst verdienen müssen.
Außerdem muss man sich selbst in seine Figuren verlieben. Wenn man das nicht schafft, kann man es auch nicht von anderen erwarten.

WORUM GEHT ES IN DEINEM NEUEN ROMAN?

Nele ist siebzehn Jahre alt und hat ein Problem: Sie ist einsneunzig groß und wurde noch nie von einem Jungen geküsst. Eines Abends ändert sich das. Sie stürzt auf einer Party mit dem Basketballstar der Schule ab, der für ziemlich viele Schmetterlinge in ihrem Bauch sorgt. Kurze Zeit darauf kursiert ein Video von Nele im Internet, auf dem sie eindeutig zu wenig an hat. Und dieses Video kann nur dieser Junge gemacht haben …

WENN DU ANFÄNGST EIN NEUES BUCH ZU SCHREIBEN, WAS IST ZUERST DA:
DIE GESCHICHTE ODER DIE FIGUREN?

Beide gleichzeitig, zumindest in groben Zügen. Die Geschichte bestimmt die Figuren, und die Figuren erzählen die Geschichte. Es ist so eine »Die Henne und das Ei«-Sache.

WIE VIEL VON DIR SELBST STECKT IN DEINEN FIGUREN?

In jeder Figur steckt ein Teil von mir selbst. Und doch ergeben sie alle zusammen nicht mich. Als hätte ich mein Gehirn in kleine Stücke aufgeteilt und aus jedem eine andere Person geformt. Das kribbelt so schön im Kopf, wenn sie miteinander reden.

WAS VERBINDET DICH MIT NELE?

Ich mag Chips, Zombies und die Jungs, auf die sie steht. Und dann wäre da noch die klitzekleine Sache mit der PANISCHEN Höhenangst, die ich nur allzu gut nachvollziehen kann.

WAS VERBINDET DICH MIT JEROME?

In der Schule habe ich total gerne Basketball gespielt. Ansonsten verbindet mich mit diesem supersportlichen Typen vermutlich nur eines: Wir vergeben uns unsere Fehler nicht so leicht.

WER WÄRST DU LIEBER?

Ich würde Neles Leben wählen, allein schon weil … Na ja, das muss man selber lesen. Allerdings wäre esauch verdammt genial, mal eine Basketballmeisterschaft zu gewinnen.

WOHER NIMMST DU DIE IDEEN FÜR DEINE GESCHICHTEN? VIELE FIGUREN HABEN JA EIN GANZ SCHÖNES PÄCKCHEN ZU TRAGEN? HAST DU VIEL ERLEBT ODER VIEL ZUGEHÖRT?

Ich habe viel erlebt, lese gerne, schaue Filme und Nachrichten. Es ist ein Sammelsurium aus unterschiedlichen Eindrücken, die nicht alle von mir selbst stammen, aber doch durch mein Gehirn gefiltert werden. So wurde ich zum Beispiel als Kind auch mal gemobbt, obwohl es nicht die brutalen Ausmaße angenommen hat, die heutzutage durch Social Media ermöglicht werden. Sexting und seine Auswirkungen gab es in meiner Jugend noch nicht. Umso interessanter war es, mich in so eine Situation hineinzufühlen.

DEINE GESCHICHTEN GEHEN BEIM LESEN DIREKT UNTER DIE HAUT. ES FÜHLT SICH AN, ALS WÄRE ES DAS EIGENE LEBEN … WIE MACHST DU DAS?

Wenn ich das verrate, muss ich leider alle umbringen B-)
(Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht einfach ein Buch über ausgedachte Figuren schreibe, sondern die Geschichte tatsächlich so erlebe, als würde sie mir genau in dem Moment passieren.)

WAS IST DIR WICHTIG BEIM SCHREIBEN?

Absolute Ruhe. Mein Körper befindet sich zwar vor dem Laptop, mein Geist aber nicht, und jede Störung reißt mich zurück in die Realität. Frische Luft, Sonnenschein und ein köstlicher Latte Macchiato machen‘s noch besser.

DU FINDEST IMMER DIE RICHTIGE BALANCE ZWISCHEN DRAMA UND HUMOR … AUCH IM RICHTIGEN LEBEN?

Gerade wenn das Leben mal dramatisch ist, hilft Humor ungemein. Die Kunst ist nur, ihn auch in solchen Momenten zu finden. Ich bin schon fast seit fünfzehn Jahren mit meinem Mann zusammen und wage zu behaupten, dass Humor sogar die wichtigste Eigenschaft in unserer Beziehung ist. Das Drama kommt sowieso von allein.

DEINE MÄNNLICHEN PROTAGONISTEN SIND GANZ SCHÖN TOLL! 😉 IST DEIN MANN EIGENTLICH EIFERSÜCHTIG AUF DIESE ANDEREN MÄNNER IN DEINEM LEBEN?

Merkwürdigerweise nicht. Er stellt sich immer auf die Seite meiner männlichen Helden und beschwert sich, wenn sie von meinen Heldinnen mal nicht nett behandelt werden. Sollte ich mir Sorgen machen?! 😀 Die coolen, beliebten Fassaden meiner Figuren sind nur der schillernde Köder, der die Mädchen anlockt. Richtig interessant werden die Jungs erst, wenn sie zu echten, vielschichtigen Charakteren werden – und die sind nun mal nicht perfekt.

WIE SCHWER FÄLLT ES DIR, EIN BUCH ZU BEENDEN UND ABSCHIED VON DEN FIGUREN ZU NEHMEN?

Nach der gefühlt hundertsten Korrekturrunde geht‘s ganz gut – sollte man meinen. In Wahrheit könnte ich immer und ewig an Kleinigkeiten herumkorri- gieren und würde nach ein paar Jahren vermutlich alles ganz anders schreiben. Aber selbst wenn die Figuren gedruckt sind, bleiben sie bei mir. Manchmal verwandeln sie sich auch in neue.

HAST DU DICH ALS JUGENDLICHE OFT UND SCHNELL VERLIEBT?

Eher selten. Ich wollte mir genügend Zeit lassen, um auf jeden Fall die Typen auszuwählen, die keinesfalls an mir interessiert sind. Leider waren das immer die faszinierendsten. Meine erste echte Liebe habe ich mit einundzwanzig kennengelernt. Und schließlich geheiratet.

EIN AUSSERGEWÖHNLICHER LIEBESBEWEIS FÜR DICH, WÄRE ES, WENN ER …

Nach meinem Studium hatte ich ein Praktikum, das ich schrecklich fand. Ich wohnte in Vorarlberg, mein Freund Bernd studierte im Tirol. Wir telefonierten jeden Abend, und ich erzählte ihm, wie verzweifelt ich in dem neuen Job war. Als ich mich am nächsten Morgen um halb
sechs zur Bushaltestelle schleppte, war Bernd plötzlich da. Er war mitten in der Nacht extra zweieinhalb Stunden hergefahren, nur um mich fünf Minuten lang in die Arme zu nehmen.

DU HAST MAL ERZÄHLT, DASS DEINE FIGUREN EIN EIGEN- LEBEN FÜHREN. WAS PAS- SIERT DA GENAU?

Das frage ich mich auch! Wenn meine Figuren so richtig in Fahrt kommen, schnappe ich mir geistig einen Eimer Popcorn und sehe ihnen zu, wie sie ganz ohne mich die Geschichte weiterspielen. Richtig gruselig wird es, wenn sie Witze machen, die so spontan kommen, dass ich selbst darüber lachen muss. Oder wenn sie sich mit meiner Lektorin verbünden, statt das zu machen, was ich eigentlich für sie geplant hatte. So seltsam das auch klingt, aber auf eine gewisse Art und Weise leben sie unabhängig von mir.

WER LIEST DEINE BÜCHER ZUERST?

Mein Mann, meine Mutter und meine Agentin. Mein Mann würde es allerdings nie wagen, mir zu sagen, dass er ein Buch schlecht findet. Meine Mutter erfüllt ihren mütterlichen Job, in dem sie ohnehin alles toll findet, was ich mache. Und meine Agentin ist es dann, die mir die gnadenlose Wahrheit um die Ohren haut. Aber auf eine sehr nette Art.

ARBEITEST DU GERADE AN EINER NEUEN BUCH- IDEE?

Das tue ich immer. Und jetzt wäre es natürlich toll, wenn ich schon was verraten würde, nicht waaaahr? 😉
Das Leben meiner neuen Heldin wird jedenfalls völlig auf den Kopf gestellt. Und sie verliebt sich in einen Jungen, der von ihrem Balkon runterfällt.

 


“LIEBE IST WAS FÜR IDIOTEN. WIE MICH.”

Wie bist du auf ›Liebe ist was für Idioten. Wie mich.‹ gekommen?

Die grobe Idee kam mir bei der Beerdigung eines Freundes. Ich habe über unser letztes Gespräch nachgedacht. Dass uns manchmal erst klarwird, was im Leben zählt, wenn es fast zu spät ist … Einen Monat später fing ich an zu schreiben. Mit zwei Protagonisten im Kopf, einem Ende und keinem Plan, was dazwischen passieren würde. Vielleicht ist es mit Büchern so, wie mit dem eigenen Leben? Man muss sich gelegentlich selbst überraschen, um es spannend zu halten.

Gibt es reale Vorbilder für Viki und Jay?

Jeder Charakter im Buch hat ein paar Eigenschaften von mir selbst, und trotzdem ergeben sie alle zusammen nicht mich. Als hätte ich mein Gehirn in kleine Stücke aufgeteilt und aus jedem eine andere Person geformt. (Das kribbelt so schön im Kopf, wenn sie miteinander reden!) Die Geschichte und alle Ereignisse habe ich mir ausgedacht.

Wer durfte dein erstes Buch als Erstes lesen?

Mein Mann. Er hat mich gezwungen. Nachdem ich ihm wochenlang in den Ohren gelegen bin, dass ich es ihn gerne lesen lassen würde (nur um jedes Mal wieder einen Rückzieher zu machen), wurde es ihm zu bunt. Er ist zur Bank gefahren, hat zwanzig Euro auf mein Konto eingezahlt und mir den Beleg vor die Nase gehalten. »Ich hab das Buch bezahlt«, knurrte er. »Ich will es jetzt lesen!« Da blieb mir keine andere Wahl.

Wie sieht dein Arbeitsalltag als Autorin aus?

Für gewöhnlich liege ich im Swimmingpool meiner Yacht und diktiere an meinen sexy Schreibsklaven. Sobald ich dann aufgewacht bin und mir den Sabber von der Backe gewischt habe, stelle ich fest, dass ich immer noch zu Hause hocke und endlich mit dem Manuskript weiterkommen sollte. Schreiben tue ich am liebsten draußen auf meiner Terasse, umzingelt von drei Katzen, die jede Unaufmerksamkeit gnadenlos ausnutzen, um sich auf meine Tastatur zu werfen.

Hat sich dein Leben verändert, seit dein erstes Buch einen Verlag gefunden hat?

Es ist voller geworden. Voller interessanter Leute, voller netter Zusprüche (und zum Glück nur sehr wenig unnetten) und voller arbeitsreicher Tage, an denen ich an meinen Manuskripten feile (oder mir in den Hintern trete, weil ich endlich damit anfangen sollte). Ansonsten hab ich immer noch zehn Finger, einen verspannten Nacken und halbwegs funktionstüchtige Augen. Da ist alles beim Alten geblieben, schätze ich.

Auf einer Skala von 1 bis 10 – Wie aufgeregt bist du, wenn ein neues Buch erscheint?

Ha ha ha. Ich seh das locker. Mein neues Buch in allen Läden? Leute, die es tatsächlich lesen? Die mich vielleicht sogar darauf ansprechen? Alles kein Problem! Zumindest bis mir klarwird, dass es sich um KEINEN Traum handelt. Dann denke ich eher so Sachen wie: »OH SCH*****!!!« (Quatsch, so schlimm ist es nicht, eine 23 auf eurer Skala, höchstens.)

Wie geht es mit Viki und Jay weiter? Erfüllen sich ihre Träume?

Diese Fragen (und noch weitaus detaillreichere Versionen, die Haustiere, Kinderanzahl und Beziehungstatus beinhalten) wurden mir so oft gestellt, dass ich sie in einem zweiten Band erzähle. Die Geschichte von “So was passiert nur Idioten. Wie uns.” hatte ich noch vor Veröffentlichung des ersten Bandes angedacht, doch erst all die positiven Reaktionen haben mich schließlich dazu angespornt, die Fortsetzung zu schreiben.

Werden deine Bücher verfilmt? Kann man Schauspieler vorschlagen?

Bis jetzt nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Leider werden Autoren niemals gefragt, welche Schauspieler ihre Figuren verkörpern sollen (obwohl ich da durchaus einige Vorschläge hätte). Wenn ihr also wollt, dass meine Bücher verfilmt werden und ihr bestenfalls auch noch fürs Casting zuständig sein möchtet, dann wechselt in die Filmbranche! 😉

 

Deine Frage war nicht dabei? Stell sie mir doch im Gästebuch!

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